Schmiede - Heiligtum - Wassermühle

Grusswort von Frau Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Vorsteherin der Direktion des Innern.

Die Hauptautorinnen Caty Schucany (links) und Ines Winet (rechts) in der Mitte Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard. Im Hintergrund, die im Bau befindliche Rekonstruktion der Mühle von Cham-Hagendorn

In römischer Zeit war der Kanton Zug tiefste Provinz. Diesen Eindruck erhalten wir, wenn wir unsere römischen Hinterlassenschaften mit Koloniestädten wie Augusta Raurica (Augst BL/Kaiseraugst AG) oder Vindonissa (Windisch AG) vergleichen. "Klein ist aber auch fein". Die römischen Fundstellen im Kanton Zug ergeben einzigartige Resultate was insbesondere die Auswertung der römischen Fundstelle Cham-Hagendorn im Buch "Schmiede - Heiligtum - Wassermühle" zeigt.
 
In der heutigen, schnelllebigen Zeit ist es umso wichtiger, dass wir uns auch mit unserer kulturgeschichtlichen Vergangenheit auseinander setzen. Einiges, was uns als heutige Errungenschaft dient, basiert letztlich doch auf der Erfahrung und Entwicklung unserer Vorfahren.
 
Dass diese Fundstelle überhaupt entdeckt wurde, geht auf die sogenannte „Anbauschlacht“ im zweiten Weltkrieg zurück. Zur Gewinnung von Ackerland wurden Drainageleitungen angelegt. Die ersten Grabungen fanden dann auch 1944 und 1945 statt. Leider liess sich kein Grabungstagebuch finden.
 
Die Fundstelle gilt dank der sehr gut erhaltenen Holzfunde für die Forschung und Interessierte als eine aussergewöhnlich gut erhaltene römischen Wassermühle, ja sogar als die besterhaltenste Mühle im römischen Reich. Aufgrund der Erweiterung der Fensterfabrik Baumgartner fanden 2003/04 Rettungsgrabungen statt. Die Direktion des Innern ist für den Erhalt, die Pflege, die Dokumentation und die Erforschung des archäologischen und bauhistorischen Erbes unseres Kantons zuständig. Und dazu gehören die Rettungsgrabungen. Mein Amt dokumentiert über Jahrtausende erhalten gebliebene Spuren menschlichen Lebens noch kurz vor der vollständigen Zerstörung. Das überdurchschnittliche Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft im Kanton Zug hat auch seine Schattenseiten. Durch die hohe Bautätigkeit nimmt der Druck auf Bau- und Bodendenkmäler zu. 
 
Diese Funde von den Grabungen in Cham-Hagendorn bildeten die Grundlage eines Auswertungs- und Forschungsprojekts zwischen dem Kanton Zug und dem Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern. 
 
Daraus entstanden ist ein Buch, der Reihe "Antiqua" von Archäologie Schweiz, mit dem Titel "Schmiede - Heiligtum - Wassermühle". In diesem Werk bleiben die Funde erhalten, welche so vergänglich sind.
 
Die Archäologie hat hohe Ansprüche an ihre Dokumentationen. Dank der detaillierten Arbeit über die Funde in Cham-Hagendorn meines Amtes, dem Amt für Denkmalpflege und Archäologie, standen zuverlässige Informationen zur Verfügung, die wissenschaftlich ausgewertet wurden und sich in diesem sorgfältig umgesetzten Buch präsentieren. Die Verdichtung von mehreren Hundert Kilogramm Funden und mehreren Tonnen Befunden auf ein relativ handliches Buch (3,2 Kilogramm) ist ein sehr effizienter Prozess mit hoher kultureller Wertschöpfung.
 
Die Dokumentation und Erforschung unserer Kulturgüter ist eine wichtige öffentliche Aufgabe, denn sie geben uns Einblick in unserer gemeinsamen Geschichte. Ich empfehle Ihnen gerne, im erschienenen Band zu blättern und die Lebensbilder auf sich wirken zu lassen, um auf die Reise in ein Hagendorn in der Zeit vor rund 1800 Jahren zu gehen und ein bisschen römische Provinzluft zu schnuppern.
 
Im Namen des Zuger Regierungsrates danke ich den Hauptautorinnen Caty Schucany und Ines Winet sowie den zahlreichen Spezialistinnen und Spezialisten, die Beiträge zum Buch geliefert haben, für ihre spannend verfassten Texte. Die wissenschaftlichen Zeichnerinnen Eva Kläui Sanfilippo und Sabina Nüssli Bouzid, der wissenschaftliche Zeichner Salvatore Pungitore und der Fotograf Res Eichenberger haben wesentlich zum einladenden Erscheinungsbild des reich mit Lebensbildern illustrierten Buches beigetragen. Mein Dank gilt auch Daniel Hartmann von der Edition arcHart in Muri für Redaktion, Satz, Layout  und Korrektorat, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Multicolor Print AG in Baar für die Produktion des Buchs. 
 
Bei der Gesellschaft Archäologie Schweiz bedanke ich mich, dass das Buch nach intensiver Prüfung durch die wissenschaftliche Kommission in die Reihe Antiqua aufgenommen wurde. Das ehrt uns Zuger natürlich sehr.
 
Mein Dank gilt auch meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, dem Leiter des Amtes Stefan Hochuli und dem zuständigen Abteilungsleiter Gishan Schaeren. Ebenso danke ich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums für Urgeschichte(n), besonders dem Leiter Ueli Eberli und der für das Projekt verantwortlichen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dorothea Hintermann. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Autorinnen zu Wort kommen.