25 Jahre Haus Maihof

Grusswort von Frau Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Vorsteherin der Direktion des Innern

Herzlichen Dank für die Einladung zu Ihrem Jubiläum. 25 Jahre - ein Viertel Jahrhundert. …..
 
Ein Jubiläum ist ja immer auch ein Anlass, um zurück zu schauen:
 
- 1981 wurde die Stiftung Maihof gegründet
- 1989 - eben vor 25 Jahren - konnte das Haus Maihof bezogen werden
- Und dann ging's "Schlag auf Schlag" mit der Eröffnung von neuen Standorten und Angeboten: 
- 1996 das Haus Euwmatt, 
- 1998 das Haus Wiesenweg, 
- 2002 die Eröffnung der Aussenwohngruppen und 
- 2003 das Zentrum Sonnhalde in Menzingen.
 
Liebe Festgemeinde, ich will nicht die ganze Geschichte der Stiftung Maihof aufrollen, dazu wissen andere hier Anwesende viel mehr zu sagen.
 
Aber der kurze Blick auf die Entwicklung des Maihof zeigt doch sehr viel. Auch in Bezug auf die Entwicklung im Behindertenbereich ganz allgemein.
 
Um das zu erklären will ich zuerst noch etwas weiter zurückschauen:
Nur rund doppelt so alt wie das Haus Maihof ist die IV, die Schweizerische Invalidenversicherung. Diese wurde erst 1960 eingeführt, also vor etwas mehr als 50 Jahren. Vorher gab es keine geregelte öffentliche finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung. Das können wir uns heute fast nicht mehr vorstellen und doch ist es noch nicht so lange her.
 
Zudem fehlte es lange an Wissen und Möglichkeiten, um Menschen mit Behinderung gute Betreuung zu bieten. Sehr oft waren sie und ihre Angehörigen auf sich alleine gestellt. 
 
Natürlich gab es Heime, in denen engagierte Menschen mit viel Herzblut nach bestem Wissen und Gewissen Kinder wie auch Erwachsene mit Beeinträchtigungen betreuten. Es fehlte aber an Ausbildungsmöglichkeiten für Betreuungspersonal und die fehlende öffentliche Unterstützung, nicht nur die finanzielle, erschwerte die Arbeit der Heime ebenfalls.
 
Zum Glück setzte sich dann immer mehr die Einsicht durch, dass es letztlich die Aufgabe der ganzen Gesellschaft ist, dafür zu sorgen, dass Menschen mit einer Behinderung die nötige und passende Betreuung und Förderung erhalten. Sei es in einer Institution, sei es durch Angehörige, die in ihrer unschätzbaren Arbeit ebenfalls Unterstützung und Entlastung brauchen.
 
So entstanden immer mehr Einrichtungen, die mit ausgebildetem Personal und den nötigen finanziellen Mitteln arbeiten konnten.
 
Dies zeigt sich eben auch an der Stiftung Maihof. Vor 25 Jahren - also doch schon einem Viertel Jahrhundert - wurde dieses Haus eingeweiht. Es war wie gesagt, das erste Angebot der Stiftung. Aber bald folgten weitere Häuser und mit jedem Haus auch zusätzliche, neue Angebote.
 
Seit soziale Einrichtungen professionell geführt werden, entwickelt sich natürlich das Wissen um gute Betreuung immer weiter. Neue Erkenntnisse und veränderte Wertvorstellungen werden umgesetzt durch neue Angebote und angepasste Betreuungsformen.
 
Diese Entwicklung hat auch die Stiftung Maihof mitgemacht. So wurde mit der Einrichtung der Aussenwohngruppe - im Jahr 2002 - ein Angebot für Menschen mit eher leichter geistiger Behinderung geschaffen. Dort können sie dank Unterstützung möglichst selbständig leben und erhalten nur die wirklich benötigte Unterstützung. 
 
Auch das Zentrum Sonnhalde, welches nur ein Jahr später eröffnet wurde, hat Innovationen umgesetzt. 
 
Aber wir feiern heute ja 25 Jahre Haus Maihof, deshalb will ich jetzt über das Geburtstagskind sprechen. Das Haus Maihof hat nämlich eine Pionierrolle übernommen. Es hat als erstes Haus der Stiftung Maihof das Konzept der Funktionalen Gesundheit ausprobiert und eingeführt. Dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich. 
 
Sie, liebe Anwesende, wissen wohl alle, was Funktionale Gesundheit ist. Ich verzichte hier auf eine lange Erklärung. Wichtig ist mir, dass Sie, liebe Verantwortliche der Stiftung und des Hauses Maihof und vor allem auch Sie, liebe Mitarbeitende, damit ihre Arbeit neu ausgerichtet haben. Und zwar genau in die richtige Richtung.
 
Seit April dieses Jahres ist die Schweiz endlich Mitglied der Uno-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Damit haben wir uns alle verpflichtet, Menschen mit Behinderung die genau gleichen Menschenrechte zu gewährleisten, damit sie für alle Menschen gelten. Wieso braucht es dafür überhaupt ein Uno-Übereinkommen? Die Menschenrechte gelten doch schon für alle? 
 
Es braucht diese spezielle Konvention, weil Menschen mit Behinderung eben ganz andere Ausgangslagen haben. Sie können deshalb die gleichen Rechte nur nützen, wenn ihrer individuellen Ausgangslage Rechnung getragen wird.
 
Und genau dies wird mit der Funktionalen Gesundheit getan: für jede einzelne Person mit Behinderung werden alle ihre Möglichkeiten und auch Einschränkungen genau angeschaut. Und zwar nicht nur körperliche, geistige und psychische, sondern auch Möglichkeiten und Einschränkungen aus ihrem Umfeld. Natürlich wird diese ganzheitliche Betrachtung nicht einfach über die Person gemacht, sondern mit ihr zusammen.
 
Funktionale Gesundheit ist also ein sehr guter Weg, um die selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe einer Person in Gesellschaft und Umwelt zu fördern und zu gewährleisten.
 
Seit Jahren sprechen alle von dieser Partizipation. Ich bin überzeugt, dass es allen ernst ist damit. Auch die Gesellschaft ist guten Willens, Menschen mit Behinderung partizipieren zu lassen. Oft fehlt es aber an Taten und den nötigen Rahmenbedingungen, damit diese Partizipation wirklich möglich ist.
 
Soziale Einrichtungen sind wichtige Partner für viele Menschen mit Behinderung. Sie haben deshalb eine grosse Verantwortung, hier als Vorreiter und Wegbereiter zu wirken. Die Politik muss ihnen dazu aber auch den nötigen Rahmen schaffen und geben. 
 
Wir haben gute Möglichkeiten und Erkenntnisse - eben zum Beispiel das Konzept "Funktionale Gesundheit". Und wir haben den politischen Auftrag und die gesetzliche Grundlage - das Uno-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
 
Mir ist es ein grosses Herzensanliegen, dass Menschen mit Behinderungen im Kanton Zug die Chance haben, ihr Leben selbstbestimmt zu führen. Dass sie und ihre Angehörigen die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, damit sie soviel wie ihnen möglich ist, selber machen können.
 
Seit rund 6 Jahren sind die Kantone für die Behindertenpolitik zuständig, nicht mehr der Bund. Die Zusammenarbeit zwischen meiner Direktion und den Sozialen Einrichtungen und Organisationen hat sich gut eingespielt. Ich bin stolz, dass wir gute und innovative Einrichtungen haben wie das Haus Maihof. Die Einrichtungen leisten wichtige Arbeit und der Kanton unterstützt sie dabei gerne. Wir haben gemeinsam schon einiges erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun. 
 
Gehen wir gemeinsam, mit sicheren Schritten vorwärts und behalten wir unser Ziel im Auge: die selbstbestimmte Teilhabe und Teilnahme jeder Person mit Behinderung in Gesellschaft und Umwelt.
 
Ich danke allen, die auf diesem Weg mit dabei sind ‒ heute ganz besonders allen vom Haus Maihof. Machen Sie, liebes TEAM des Hauses Maihofs, weiter so!
 
Ich gratuliere nochmals herzlich - auch im Namen der Zuger Regierung - zum Jubiläum und wünsche allen ein schönes Fest! Geniessen Sie es, sie haben es verdient.