Sparsamer und nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen

Grusswort von Frau Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Vorsteherin der Direktion des Innern, zur 21. Internationale Arbeitstagung Ziegeleigeschichte. Montag, 7. Juli 2014, Ziegeleimuseum Cham

Von links nach rechts: Andreas Immenkamp (Moderator), Christian Keller (Schweizer Ziegeleiindustrie), Jürg Goll (Museumsleiter), Manuela Weichelt-Picard (Regierungsrätin), Urs Perner (Stiftungspräsident) und Martin Roth (Deutsche Ziegeleiindustrie)

Willkommen in Cham
Bienvenu à Cham
Benvenuti a Cham
Beinvegnì a Cham
 
Ich freue mich, Sie im Namen des Zuger Regierungsrates begrüssen zu dürfen! 
 
Es freut mich sehr, dass die 21. Internationale Arbeitstagung Ziegeleimuseum/Ziegeleigeschichte im Kanton Zug zu Gast ist. Willkommen im kleinsten Vollkanton der Schweiz in dem 118 000 Menschen mit 147 Nationen zusammenleben; willkommen im Kanton der Kirschtorten; willkommen im Kanton mit dem schönsten Sonnenuntergang. 
 
Sie müssen keine Angst haben, ich halte Ihnen keinen Vortrag über die Kirschtorte, den NFA oder über Steuerpolitik. Nein ich möchte einige Fakten erwähnen, die Sie in keinem Reiseführer und nicht auf dem Internet finden. 
 
Rund ¼ der Zuger Waldfläche ist Naturschutzgebiet oder als besonderer Lebensraum ausgeschieden. In keinem anderen Schweizer Kanton ist der Anteil an Wald, wo Leistungen der Biodiversität im Vordergrund stehen, so gross. Der Biber hat in den Kanton Zug zurückgefunden. Auf Wolf und Bär warten wir noch.
 
Sie wissen vielleicht, dass Wirtschaft und Bevölkerung bei uns seit Jahren enorm wachsen. Die Nachfrage ist nach wie vor ungebrochen. Es pendeln mehr Personen von Zürich nach Zug zur Arbeit als umgekehrt. Mitte April 2014 standen 2 442 Wohneinheiten im Bau (in der vergleichbaren Zeit im Jahre 2009 nur 1069 Wohneinheiten). Nur gerade bei Wohneinheiten von mehr als 2,5 Mio. Franken ist die Nachfrage etwas gebremst.
 
Sie können sich sicher vorstellen, dass wir darüber nicht nur glücklich sind. Das Wachstum bedeutet für die Natur- und die Kulturlandschaft eine grosse Herausforderung. Das Wachstum im Kanton Zug ist so gross, dass wir in der Strategie des Regierungsrats ein Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum anstreben, das kleiner als bisher ist, und den sparsamen und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und Landschaften ausdrücklich fördern.
 
Im Kanton Zug bewegt die Bevölkerung denn vor allem zwei Sachen: 
Wo gibt es zahlbaren Wohnraum und wie können wir die Grünflächen erhalten?
 
Das vor rund einem Jahr neu eröffnete Ziegelei-Museum Cham steht für den sparsamen und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und Landschaften. 
 
Die Geschichte der Ziegelei Meienberg war sehr abwechslungsreich. Ihre Ursprünge gehen zurück ins Jahr 1873. Das Areal umfasste einst die Ziegelhütte, das Wohnhaus und die Stallscheune. Die drei Gebäude bildeten zusammen mit Landwirtschaftsland, Lehmvorkommen und Wald ‒ der das Brennholz hervorbrachte ‒ eine funktionale Einheit. Während sechzig Jahren war die Anlage Arbeits- und Wohnort der Familie Lörch, bis 1933 der unrentabel gewordene Betrieb eingestellt werden musste. 
 
Als im Jahr 1978 der Abbruch der alten Ziegelhütte bevorstand, erwarb die Schweizer Naturschutzorganisation Pro Natura die Liegenschaft und schenkte sie der Stiftung Ziegelei-Museum. Die Stallscheune brannte jedoch 1982 ab, womit das historische Ensemble zerstört wurde. Für den modernen Museumsbetrieb und aus Sicht der Denkmalpflege war es nun entscheidend, dass ein neuer Museumsbau die alte Stallscheune ersetzen konnte. 
 
Die Neueröffnung dieser Anlage ist das gelungene Ergebnis einer sehr engen und unkomplizierten Zusammenarbeit zwischen Privaten und Behörden. Als Direktorin des Innern bin ich unter anderem politisch verantwortlich für die Denkmalpflege im Kanton Zug, die an der Projektierung des Museums massgeblich beteiligt war. Abgesehen vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie haben sich auch mehrere andere Amtsstellen an diesem Prozess beteiligt. 
 
Immer wieder gelangen Ziegel, Backsteine und Bodenplatten von Ausgrabungen und aus historischen Gebäuden in die Bestände des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie. Die Spezialistinnen und Spezialisten des Ziegelei-Museums inventarisieren diese. Darunter befindet sich der älteste inschriftlich datierte Dachziegel der Schweiz; er stammt vom Turmdach der Burg Zug und trägt die Jahreszahl 1489. Sogenannte Feierabendziegel mit fantasievollen Ritzzeichnungen aus Zuger Ziegeleien zählen zu den faszinierenden Ausstellungsobjekten im Museum. 
 
Es geht hier aber nicht nur um Kulturpflege, sondern auch um Naturschutz: Die alte Lehmgrube ist ein wertvolles Biotop geworden und ein wichtiger Bestandteil des Areals. Die Lehmgrube weist auf die enge Verknüpfung von Natur- und Kulturlandschaft hin und ist ein kleiner Beitrag zur Biodiversität.
 
Das Museum ist eine Perle in der Museumslandschaft der Region. Ihre internationale Arbeitstagung ist nicht nur für das Museum und dessen Wahrnehmung im Ausland wichtig. Sie führt auch uns Zugerinnen und Zugern eindrücklich die grosse Bedeutung des kleinen Museums vor Augen!
 
Ich wünsche Ihnen einen in fachlicher und persönlicher Hinsicht inspirierenden und spannenden Austausch hier im Kanton Zug und heisse Sie hier herzlich willkommen!