Einfach freiwillig

Medienkonferenz zur Lancierung von “einfachfreiwillig.ch”: Begrüssung durch Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard.

Elyne Hager, Benevol Zug, mit Manuela Weichelt-Picard

Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement leistet einen wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt und das Zusammenleben in unserem Kanton. Die Förderung der Freiwilligenarbeit“ ist ein Legislaturziel, das der Regierungsrat für die Jahre 2015 bis 2018 definiert hat und das Credo des Regierungsrats „Mit Zug einen Schritt voraus sein“ soll auch in der Freiwilligenarbeit zum Ausdruck kommen.
 
Freiwilligenarbeit hat bei der Zuger Bevölkerung bereits heute einen hohen Stellenwert. Im schweizweiten Vergleich liegt der Kanton Zug in der formellen Freiwilligenarbeit im Rahmen von Vereinen und gemeinnützigen Institutionen weit vorne auf Platz 3. Bei der informellen Freiwilligenarbeit – jenem Engagement, das sich im privaten Umfeld abspielt und unter anderem als Nachbarschaftshilfe bekannt ist – reichte es gemäss dem „Freiwilligen-Monitor Schweiz“ vom Jahr 2010 jedoch nur für einen Platz im Mittelfeld. Das wollen wir ändern: Was in der formellen Freiwilligenarbeit schon sehr gut spielt, das freiwillige und ehrenamtliche Engagement der Zugerinnen und Zuger in Vereinen und gemeinnützigen Institutionen, möchte der Regierungsrat ebenfalls in der informellen Freiwilligenarbeit erwirken.
 
Im vergangenen Jahr hat der Zuger Regierungsrat deshalb die Fachstelle für Freiwilligenarbeit von Benevol Zug mit der Planung und Umsetzung von Massnahmen zur Förderung der informellen Freiwilligenarbeit im Kanton Zug beauftragt. Das Projekt ist Mitte 2013 gestartet und soll bis 2015 wesentliche Erkenntnisse und Resultate liefern, wie informelles Engagement gezielt gefördert werden kann. 
 
Im Frühjahr und Sommer 2013 haben die Fachleute von Benevol Zug mit Schlüsselpersonen und Akteuren von Gemeinden, Fachstellen, Institutionen und Vereinen sowie freiwillig Tätigen Interviews geführt, um zusätzliche Hinweise für die Ausgestaltung der Massnahmen zu erhalten. Daraus haben sich wertvolle Erkenntnisse gegeben, die in das Projekt eingeflossen sind:
 
1. Die Bevölkerungspyramide verändert sich in den kommenden Jahren massiv: Einer schwächer werdenden Jugendgeneration steht mit der ins Pensionsalter kommenden Babyboomer-Generation eine wachsende Zahl älterer Menschen gegenüber, die freiwillige Hilfe in Anspruch nehmen. 
 
Obwohl der Anteil der Freiwilligen in der Schweiz hoch ist – in der Schweiz engagiert sich ein Drittel der Bevölkerung freiwillig gegenüber rund einem Viertel in Europa – ist der Trend seit Jahren rückläufig. Wir müssen nachhaltige Lösungen finden, wie wir die Freiwilligen auch in Zukunft bei der Stange halten können. Einerseits indem wir neue Wege beschreiten, wie mit dem heute vorgestellten Pilotprojekt „einfachfreiwillig.ch“. Andererseits aber auch in der direkten Ansprache von motivierten und engagierten Bevölkerungsgruppen wie Jugendliche, Senioren und Zugewanderte.
 
2. Im Gegensatz zur formellen Freiwilligenarbeit, wo eine viel stärkere Durchmischung stattfindet, bleiben die Bevölkerungsgruppen in der informellen Freiwilligenarbeit unter sich. Schweizer helfen Schweizern, Italienerinnen und Italienern ihren Landsleuten und Englischsprechende anderen Englischsprechenden. Die gegenseitige Unterstützung und Hilfe ist nicht übergreifend.
 
In einem Kanton, in dem weit über 150 Nationalitäten miteinander leben, leidet die gegenseitige Hilfe im Alltag nicht nur an den sprachlichen, sondern vor allem auch an den kulturellen Hürden. Oder positiv formuliert: Informelle Freiwilligenarbeit kann wesentlich zu einer erfolgreichen Integration und Verwurzelung beitragen.
 
3. Auf Gemeindeebene besteht Bedarf für den Aufbau von Quartier- und Nachbarschaftshilfen, durch die Gemeinden selbst oder durch private Initiativen. Gefragt sind der Zugang zu entsprechendem Know-how und Best Practices sowie der Erfahrungsaustausch zwischen den Gemeinden. 
 
4. Auf grossen Zuspruch ist die geplante Schaffung einer niederschwelligen Internetplattform für die Vermittlung von informellen Einsätzen gestossen, zumal es ein solches Angebot bis anhin nicht gibt. Gefördert wird dadurch gemäss Einschätzung der befragten Schlüsselpersonen nicht nur die Freiwilligenarbeit insgesamt, sondern es können auch neue Zielgruppen angesprochen werden, die bis anhin noch kaum oder nicht freiwillig tätig waren.
 
Diese Erkenntnisse sind in die Ausgestaltung des Projekts „einfachfreiwillig.ch“ geflossen. Die Kampagne will die Zuger Bevölkerung sensibiliseren und gleichzeitig zur nachbarschaftlichen Hilfe ermuntern. 
 
Elyne Hager, Präsidentin von Benevol Zug, wird Ihnen nun die einzelnen Projekt-Massnahmen, die von Anfang an in engem Austausch mit Fachleuten und den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren im Kanton Zug entstanden sind, vorstellen.
 
16 Zugerinnen und Zuger haben sich spontan bereit erklärt, an der Kampagne mitzuwirken und ihren persönlichen Beitrag zu leisten. Ein grosser Teil der Mitwirkenden ist heute an der Medienkonferenz anwesend. Ich freue mich, über Ihre Teilnahme und danke Ihnen. 
 
Ihre Porträts haben mich beeindruckt. Sie alle packen „einfach“ an und leisten in Ihrem Umfeld Hilfe, wo sie gerade gebraucht wird. Sie machen das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Diese Vielfalt für nachbarschaftliche Hilfe hat mich begeistert. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung und Ihr Mitwirken und darf Ihnen gleich anschliessend noch Ihre persönlichen, druckfrischen Porträt-Karten überreichen.
 
Ebenso möchte ich den Schülerinnen und Schülern der Klasse ZFA 3A von Simon Haueter an der GIBZ meinen besten Dank aussprechen, die leider nicht kommen konnten. Mit ihrer Offenheit und ihrer Neugierde ist es den Jugendlichen gelungen, lebendige Porträts zu schaffen, die jeden der 16 Porträtierten in den Mittelpunkt rücken und eindrücklich erlebbar machen.