Normal behindert

Grusswort von Frau Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Vorsteherin der Direktion des Innern, anlässlich der Vernissage KUBEÏS + Aktionstage NoRmaLbehindert vom 20. August 2014

(es gilt das gesprochene Wort)

Ich habe mich sehr gefreut, als ich angefragt wurde, einige Grussworte im Namen des Zuger Regierungsrates an Sie zu richten. Einer solchen Vernissage mit einem solchen Titel "Normalbehindert" können wir nicht jeden Tag beiwohnen.  Die Direktion des Innern trägt dazu bei, dass im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel Menschen mit Behinderung heute ein deutlich besseres, normaleres Leben führen können als früher. Natürlich können wir das nur dank guter Zusammenarbeit mit allen Einrichtungen und Organisationen, die Leistungen für Menschen mit Beeinträchtigung erbringen. 
 
Was heisst "ein besseres oder normales Leben führen" für Menschen mit einer Beeinträchtigung? Natürlich nichts anderes, als für alle andern auch! 
In erster Linie so zu leben, wie man es sich selber vorstellt. So zu leben, dass man sich wohl fühlt, dass man seinen Platz in der Gesellschaft hat und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.
 
Das gelingt auch Nicht-Behinderten nicht immer. 
Aus verschiedenen Gründen kann kein Mensch immer genau das tun, was er oder sie möchte. Wir alle stossen auch an eigene Grenzen oder an Grenzen, die uns von aussen gesetzt werden. 
 
Menschen mit Beeinträchtigungen treffen aber sehr oft auf äussere Hindernisse und Barrieren, lange bevor sie ihre eigene Grenze erreicht haben. Und das ist leider auch heute noch so, leider auch bei uns im Kanton Zug (Situation bei der Hauptpost am Postplatz). 
 
Das müssen wir - wir alle - ändern! Und wenn ich wir alle sage, dann meine ich damit wirklich alle! 
Ich meine die Behörden und politischen Gremien 
Ich meine die Einrichtungen und Organisationen. 
Ich meine damit auch Firmen und Unternehmen, die auf Arbeitskräfte angewiesen sind. Dabei geht leider oft vergessen, auch Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen anzubieten, die unter Umständen etwas weniger leistungsfähig sind oder die sogar genauso produktiv sind, aber halt eine Rampe, einen Lift und ein rollstuhlgängiges WC brauchen. Ich bin stolz auf die Direktion des Innern, die Menschen mit einer Behinderung angestellt hat, sei dies beim Empfang oder im juristischen Dienst.
Und vor allem meine ich mit "wir alle" die Gesellschaft, also jede und jeden Einzelnen von uns. Und zwar jede und jeden, egal ob behindert, normal, ob gross oder klein, ob jung oder alt.
 
Ich bin zuversichtlich, dass wir dem Ziel näher kommen, dass eines Tages Menschen mit Behinderung ein möglichst selbstständiges Leben als gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft führen können. Wir kommen diesem Ziel dank dem Engagement der Betroffenen und zusammen mit Organisationen immer näher. 
 
Was lässt mich zuversichtlich sein?
Diesen Frühling ist auch die Schweiz der UNO Behindertenrechtskonvention beigetreten. Wir alle, sind damit aufgefordert, Barrieren und Hindernisse für Menschen mit Behinderung zu beseitigen oder noch besser gar nicht erst zu erstellen.
Diese Behindertenrechtskonvention ist unser Leuchtturm auf dem Weg zur wirklichen Gleichberechtigung, Gleichstellung und gleichwertigen Teilhabe von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft.
 
Wichtige Schritte wurden auch getan von den Einrichtungen und Organisationen, die Leistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen erbringen. Diese Einrichtungen und Organisationen haben sich gewandelt. Heute betreuen, begleiten und beraten sie Menschen mit Behinderung nicht mehr quasi "von oben herab". Nein, sie tun das mit den Betroffenen zusammen. Sie unterstützen und fördern 
 
Und damit bin ich beim dritten wichtigen Punkt gelandet, der zeigt, dass wir auf gutem Weg sind: nämlich bei der gemeinsamen Initiative von Einrichtungen, Organisationen und Direktbetroffenen:
 
Die Zuger Aktionstage Normalbehindert, deren Eröffnung wir hier feiern! Hier haben sich Einrichtungen, Organisationen, Menschen mit Behinderung und andere im ganzen Kanton zusammen getan. Sie haben mit viel Kreativität und viel Herzblut und grossem Engagement eine Vielzahl von abwechslungsreichen, interessanten und zum Teil auch irritierenden Veranstaltungen auf die Beine gestellt. 
Ich und meine Direktion haben diese Initiative von Anfang an begrüsst und ihre Planung mit grossem Interesse verfolgt. Schnell konnten wir auch die Regierung überzeugen, aus dem Lotteriefonds den nötigen Defizitdeckungsbeitrag zu sprechen.
 
Diese Aktionstage sind goldrichtig. Sie setzen an einem Punkt an, wo noch viel Handlungsbedarf besteht: Bei der Öffentlichkeitsarbeit; bei der Sensibilisierung.
 
Der Begriff NoRmaLbehindert ladet zu einem Wortspiel ein. Den ich einfach faszinierend finde und den Erfinderinnen und Erfindern gratuliere.
 
Normal Behindert, nicht normal behindert?
Normale nicht normale
Behinderte nicht Behinderte
No Mal Behindert
Behindert normal 
Normal behindert?
Was ist normal - was ist behindert?
 
Es sind nicht nur Wortspiele, es sind dazu viele Gedanken, die mir gekommen sind.
 
Die Aktionstage Normalbehindert bieten unzählige Gelegenheiten, dass Zugerinnen und Zuger aufmerksam werden darauf, dass Menschen mit Beeinträchtigungen ganz "normal" sind: 
dass es unter ihnen künstlerisch Begabte gibt, 
dass man viele Behinderungen einem Menschen gar nicht ansieht, 
dass Blinde gerne ins Kino gehen … mit dem einzigen Unterschied, dass sie den Film hören und nicht schauen
 
Die Aktionstage bieten allen Zugerinnen und Zugern Gelegenheiten und Möglichkeiten, sich mit Menschen mit Behinderung auszutauschen. Ihnen zuzuhören oder mit ihnen zu diskutieren: mal ernst, mal witzig und humorvoll aber immer auf Augenhöhe. Von Mensch zu Mensch - ganz normal halt.
 
Ich hoffe, dass ganz, ganz viele Menschen die Veranstaltungen besuchen werden. 
Ich wünsche allen viele fruchtbare Dialoge.
Ich danke allen, die diese Aktionstage auf die Beine gestellt haben, allen, die daran auf irgendeine Art mitwirken und allen, die bereit sind, sich auf den einen oder anderen Denkanstoss einzulassen!