Alter hat Potenzial: Rede von Manuela Weichelt-Picard

Grusswort von Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard zum Start der kantonalen Kampagne "Altersbilder im Wandel". Dienstag, 5. April 2016, 17 Uhr, Casino, grosser Saal

Altersbilder im Wandel - so heisst die heutige Veranstaltung. Wenn Sie jetzt nach vorne schauen, sehen Sie eine junge Frau, eine alte Frau vor sich? Eine Frau, die den Zenit überschritten hat, oder gar eine Frau "im besten Alter"? 
 
Sie müssen mir keine Antwort geben. Eins ist klar: Die Sicht aufs Alter ist immer eine Frage der eigenen Perspektive. 20-Jähige nehmen 50-Jährige anders wahr, als dies 70-Jährige tun.  
 
Gerade weil ich kurz vor dem Sprung in die 50-er bin und weil ich der Gesellschaftsdirektion vorstehe, freue ich mich besonders, die Kampagne "Alter hat Potenzial" politisch zu begleiten. Wie Sie wissen, handelt es sich hier nicht um einen Alleingang, sondern um eine "Co-Produktion" von insgesamt vier Direktionen: Der Bildungsdirektion, der Volkswirtschaftsdirektion, der Gesundheitsdirektion und meiner Direktion des Innern (Gesellschaftsdirektion). 
 
Die Zuger Regierung hat die Nutzung des Potenzials der älteren Bevölkerung sogar zu einem ihrer Legislaturziele erklärt und die vier Direktionen mit einer Sensibilisierungskampagne beauftragt. Das Ziel besteht darin, defizitorientierte Altersbilder aufzubrechen und durch realistische, differenzierte und auch positive Bilder zu ersetzen.  
 
Es geht hier aber nicht nur um Wahrnehmung und Sensibilisierung! Die Kampagne verfolgt ganz handfeste Ziele: Sie appelliert an Wirtschaftsverbände, Arbeitnehmervertretungen, Gemeinden und gemeinnützige Organisationen, das veränderte Bild "vom Alter" zur Kenntnis zu nehmen und Massnahmen zu ergreifen, die daraufhin wirken, dass sich hier etwas bewegt.
 
Die Kosten für die geplante Kampagne des Kantons Zug inklusive Umsetzung und Evaluation belaufen sich über vier Jahre auf eine Viertel Million Franken. Davon werden 60 000 Franken durch den Bund und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) beigesteuert. Die restlichen 195 000 Franken werden durch den Kanton Zug über den Lotteriefonds finanziert. Was möchte ich damit sagen? 
 
Dem Kanton Zug ist diese Kampagne etwas wert: Der Erfolg dieser Kampagne wird sich allerdings nicht von heute auf Morgen einstellen, sondern erfordert ein Umdenken. Veränderungen beginnen bekanntlich im Kopf!
 
Die Gesellschaft, die Schweiz, der Kanton Zug kann es sich gar nicht leisten, das enorme Potenzial, das in den 50-, 60 oder 70-Jährigen steckt, nicht zu nutzen. Er wäre geradezu dumm, wenn er dies nicht täte! Denn nur so, lässt sich der demographische Wandel überhaupt sinnvoll nutzen. 
 
Hierzu ein paar Zahlen, die aufzeigen, dass wir handeln müssen - und zwar jetzt! Im Kanton Zug wird die Zahl der über 65-Jährigen gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) von rund 18'000 im Jahr 2013 auf rund 32'000 im Jahr 2035 (innert 22 Jahren) steigen. Von dieser Gruppe der Ü 65 wird dereinst ein beträchtlicher Teil bei guter, oder gar bester physischer und psychischer Gesundheit sein. Und ein Grossteil dieser Menschen hat auch nicht vor, sich mit der Pensionierung aus dem gesellschaftlichen Leben zu verabschieden, sondern sieht darin einen Aufbruch, einen Startschuss für diverse Aktivitäten. 
 
Damit meine ich nicht nur Enkelhüten, jassen und Spazierengehen. 50-, 60- und auch 70-Jährige bringen einen riesigen Rucksack an Wissen und Erfahrung mit und sind - so erlebe ich dies jedenfalls oft - hochmotiviert, ihre Talente und Fähigkeiten der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Wenn man sie denn lässt! Sei es im Job (gegen einen angemessenen Lohn) oder dann in der Freiwilligenarbeit, (wo unentgeltlich gearbeitet wird, und wo sehr viel Arbeit darauf wartet, erledigt zu werden). Vergessen wir nicht: Es gibt auch viele Menschen im Pensionsalter, die als Selbständige - zum Beispiel auf Mandatsbasis - noch erwerbstätig sind. 
 
Kommen wir nochmals zur Wirtschaft: Es kann und darf nicht sein, dass 50-Jährige oder 60-Jährige im Erwerbsleben mehr geduldet denn geschätzt werden oder befürchten müssen, ausrangiert zu werden. Mein Appell richtet sich darum ganz konkret an die Wirtschaft und die Arbeitgeber: Lassen Sie sich nicht von Zahlen oder Jahrgängen abschrecken, wenn Sie ein Bewerbungsdossier in der Hand haben und eine Stelle neu besetzen müssen. Nutzen Sie das Potenzial der Generation 50 Plus! 
 
Wenn man mit 30 Jahren für eine bestimmte, anspruchsvolle Stelle oder Position als "zu jung" gilt und mit 50 Jahren dann für den gleichen Job bereits wieder als "zu alt", würde das heissen, dass man gerade mal während 20 Jahren im "richtigen Alter" ist. Das kann sich die Wirtschaft nicht leisten. 
 
Auch der Schweizerische Arbeitgeberverband will darum mit seiner Initiative "Zukunft Arbeitsmarkt Schweiz" ältere Personengruppen besser in den Arbeitsmarkt einbinden, wie er im März 2015 kommuniziert hat.  Die Beschäftigungsquote von älteren Arbeitnehmern soll erhöht werden! 
 
Ich bin ein grosser Fan von alters- und geschlechterdurchmischten Teams und sehe die Vorteile in meiner Direktion jeden Tag: der 24-jährige Praktikant hat genauso seinen Platz wie die 62-jährige juristische "Senior-Consultant", die dossier- und sattelfest ist und über einen riesigen Fundus an Wissen und Kompetenz verfügt, den sie weitergibt. 
 
Lassen Sie uns mit Vorurteilen und verzerrten Vorstellungen aufräumen, wie jenem, dass ältere Angestellte per se weniger leistungsfähig und  belastbar sind als Junge, oder dass sie aus gesundheitlichen Gründen häufiger krankgeschrieben sind. Studien zeigen: Dies trifft nicht zu! Die Flexibilisierung des Rentenalters und die Erhöhung der Beschäftigungsquote bei älteren Personen bieten überdies grosses Potenzial, den Fachkräfte-Mangel in der Schweiz abzumildern. Frauen und ältere Menschen sind die Rettung für den Fachkräftemangel.
 
Gewiss: die Kunst des Alterns und des Alters will gelernt sein. Doch ein Korrektiv - ein anderes Bild - ist zwingend nötig: Dieses lässt sich nicht mit Haarfärbung, Lifting, Botox oder Hyaluronsäure herbeigestalten und modulieren. Dieses Bild verändert sich nur mit einem anderen, mit einem positiven Blick aufs Alter! 
  
Hillary Clinton ist 69 Jahre alt, Donald Trump ist 70 und Bernie Sanders - bei den Jugendlichen total hoch im Kurs - ist gar 75 Jahre alt. Alle drei fühlen sie sich offenbar psychisch und physisch genügend fit für das kräftezehrende Amt des nächsten US-Präsidenten bzw. der ersten US-Präsidentin! 
 
Herzlichen Dank für Ihr Kommen, Ihr Mitwirken und Ihre Bereitschaft, umzudenken und den Schalter zu "kippen".
 
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass "Alter hat Potenzial" nicht ein wohlklingender Werbeslogan bleibt, sondern zur Prämisse unseres Handelns wird! Älter werden ist das grosse Abenteuer unserer Zukunft!
 
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.