«Tischlein deck Dich! Esel streck Dich! Und Knüppel aus dem Sack!»

Grusswort von Manuela Weichelt-Picard, Regierungsrätin beim Tischlein deck Dich Zentralschweiz anlässlich der Vergabe des Anerkennungspreises der Albert Koechlin Stiftung

Ältere Semester unter uns, die sich von Eltern oder Grosseltern noch Märchen erzählen liessen, kennen diesen Vers natürlich. Auch ich habe als Kind davon geträumt, dass ein Esstisch auf Kommando mit guten Ess- oder vielleicht sogar Schleckwaren gedeckt wird, wenn ich rufe - Tischlein deck Dich. Ich habe es nie erlebt, aber meine Kinder wurden in einem Kinderhotel mit einem Tischlein deck Dich überrascht.

 

Doch so wie im Märchen oder in einem Kinderhotel, sieht die Realität nicht aus. Für viele Menschen ist es keine Selbstverständlichkeit, jeden Tag gutes Essen (Qualität und Quantität) und auf dem Tisch zu haben. Auch im Kanton Zug! Dank Initiativen wie Tischlein deck Dich, können diese Menschen zumindest teilweise unterstützt werden. Ich bedanke mich im Namen des Zuger Regierungsrates ganz herzlich allen Mitwirkenden für Ihr Engagement. Sie leisten einen sehr wichtigen Beitrag, dass Menschen, die am Existenzminimum leben, wenigstens die Möglichkeit haben, für einen symbolischen Beitrag in den Genuss von guten Lebensmitteln zu kommen. Sie haben den Preis der Albert Köchlin Stiftung verdient. Herzliche Gratulation.

 

Dass noch geniessbare Esswaren nichts in der Mülltonne verloren haben, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Doch wie wir gehört haben, ist dem nicht so! Rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel geht zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Das entspricht pro Jahr rund 2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel oder der Ladung von rund 140‘000 Lastwagen, die aneinandergereiht eine Kolonne von Zürich bis Madrid ergeben würden. Die Botschaft, die wir Kindern heute vermitteln müssen, lautet wohl nicht mehr so sehr "Gegessen wird, was auf den Tisch kommt". Sondern: "Nimm nur so viel auf den Teller, wie Du auch essen magst."

 

Nicht nur Kinder müssen sich dies hinter die Ohren schreiben. Gegen food-waste können wir alle etwas tun: Politikerinnen und Politiker, Wirtinnen und Wirte, die Akteurinnen und Akteure der Lebensmittelbranche - und der Industrie. Die Zuger Regierung betont immer wieder, wie viel Wert sie auf Nachhaltigkeit setzt. Auch das Engagement der GGZ at work und von Tischlein deck Dich ist ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit und vor allem gegen sinnlose Verschwendung einer Gesellschaft, bei der ganz viele im Überfluss leben und andere Not leiden. Der Kanton Zug hat Tischlein deck Dich unter anderem im Jahre 2015 mit 10'000 Franken und für den Aufbau der Plattform Zentralschweiz mit 50'000 Franken aus dem Lotteriefonds unterstützt. Verstehen Sie diesen Beitrag als Motivation weiterzumachen!

 

Nicht nur Asylsuchende oder Flüchtlinge, auch Schweizer Einwohnerinenn und Einwohner sind froh um Tischlein deck Dich. Gerade jetzt, wo der Kanton Zug am Sparen bzw. sich am entlasten ist, verändern sich für viele Familien, Paare und Einzelpersonen die Rahmenbedingungen nicht zum Vorteil. Projekte wie Tischlein deck Dich werden darum an Bedeutung gewinnen und die Kundschaft wird sich vergrössern. Ob eines Tages plötzlich die Lebensmittel knapp werden, weil Tischlein deck Dich immer mehr Kundschaft hat? Sie als Fachleute können uns dies sicher sagen.

 

Erlauben Sie mir noch ein Wort zum Thema Verfalls- und Haltbarkeitsdatum. Tatsächlich denken laut einer Umfrage der Europäischen Kommission 24 Prozent der Menschen in Europa, Mindesthaltbarkeit (im Englischen: best before) bedeute, dass ein Produkt nach diesem Datum nicht mehr geniessbar, also gesundheitsgefährdend sei. Dabei wird eine Gesundheitsgefährdung gar nicht mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben, sondern mit dem sogenannten Verfallsdatum (im Englischen: use by). Hier besteht auch in der Schweiz grosse Unsicherheit. Aufklärung tut also auch hier Not!

 

"Ich bin so satt, ich mag kein Blatt" antwortete bzw. mähte die Ziege, als sie im Märchen Tischlein deck Dich von der Weide kam. So satt zu werden, dass man schlicht nichts mehr essen kann, - Nein, dieses Ziel ist nicht anzustreben. Aber die Möglichkeit, sich gut und günstig zu ernähren muss im reichen Kanton Zug gegeben sein. Herzlichen Dank allen Freiwilligen, dass sie ihre wertvolle Zeit schenken. Tischlein deck Dich lebt ganz nach unserer Verfassung: "Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen." Ganz herzlichen Dank, dass Sie sich dafür auch in Zukunft engagieren!