Tradition, Nachhaltigkeit, Einzigartigkeit

Grusswort von Frau Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard für die GV des Zuger Heimatschutzes vom Samstag, 12. April 2014.

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Alex Briner
Sehr geehrte Vorstandsmitglieder
Sehr geehrter Herr Kantonsratspräsident, lieber Hubi Schuler
Sehr geehrte Frau Stadträtin, liebe Vroni Straub
Geschätzte Damen und Herren
 
Für Ihre freundliche Einladung zur Generalversammlung danke ich Ihnen im Namen des Zuger Regierungsrates sehr herzlich.
 
Kaum ein anderes Gebäude im Kanton Zug gilt in der Bevölkerung ganz selbstverständlich als Baudenkmal wie der Zytturm in der Stadt Zug. Es gibt auch andere, ebenso alte Baudenkmäler, die bei Weitem nicht die gleiche Wertschätzung erhalten wie der berühmte Zytturm. Ich denke zum Beispiel an ländliche Wohn- und Gewerbebauten. Nehmen wir ehemalige Bauernhäuser als Baudenkmäler wahr? Doch genau diese Bauten prägen die vertrauten Dorf- und Landschaftsbilder im Berggebiet, im Ennetsee und in der Umgebung der Zuger Altstadt.
 
Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie der Direktion des Innern ist für die Erforschung, den Erhalt und die Pflege unseres archäologischen und bauhistorischen Erbes verantwortlich. Die Pflege der historisch gewachsenen Kulturlandschaft ist eine wichtige öffentliche Aufgabe. Das sehen aber nicht alle gleich! Ein Vorstoss im Zuger Kantonsrat von drei Kantonsräten erachten die Umsetzung des Denkmalschutzes nicht im Sinne der Bevölkerung, verkennen dass der Ortsbildschutz Sache der Gemeinden und nicht des Kantons ist und möchten gerne eine politisch zusammengesetzte Denkmalkommission und keine Fachpersonen aus Heimatschutz, Bauernverband, Hauseigentümerverband, Gemeinden usw.
 
Sie hat im Kanton Zug im dynamischen Rahmen eines überdurchschnittlichen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums zu geschehen. Die stetig höher werdenden Bodenpreise machen es aber auch immer schwieriger, Baudenkmäler zu erhalten. Der ökonomische und damit auch der politische und gesellschaftliche Druck auf die historische Baukultur steigen stetig. Das Verwaltungsgericht stützt aber die Entscheide der Direktion des Innern und des Regierungsrates.
 
Eine neue Herausforderung bilden die energetisch wirksamen Massnahmen an Denkmälern und in Ortsbildschutzzonen, welche insbesondere das authentische Erscheinungsbild historischer Gebäude in Frage stellt. Hier gilt es jeweils Lösungen zu finden, die zugleich ökologischen und denkmalpflegerischen Anliegen gerecht werden.
 
Und dennoch: Die Verluste sind enorm. Sie alle haben wahrscheinlich die Berichterstattung über die vom Abbruch bedrohten, 700 Jahre alten Häuser im Dorfbachquartier von Schwyz mitbekommen? Aber auch im Kanton Zug verschwinden viele historische Holzhäuser, und das in einem horrenden Tempo. Die Ortskerne von Baar, Hünenberg, Oberägeri, Menzingen und Walchwil sind besonders betroffen vom rasanten Wandel, der unsere vertraute Umgebung radikal verändert. Die Inventarisierung nimmt Formen an. Die Gemeinde Neuheim ist bereits inventarisiert. Als nächstes wird die Inventarisierung der Gemeinde Zug abgeschlossen. Zur Zeit sind rund 1300 Gebäude im Inventar.
 
Glücklicherweise schätzen und pflegen manche Eigentümerinnen und Eigentümer ihre historischen Häuser, weil sie deren Werte - Tradition, Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit - erkennen:
 
- Das 2004 umgebaute Haus Hauptstrasse 6 in Menzingen stellte sich als 1423 erbautes Blockhaus heraus. Es wurde um 1530 reich mit Wandmalereien geschmückt. Das einstige Gasthaus und geschützte Baudenkmal dient heute den Eigentümern als Wohnhaus.
 
- Das Haus Unterblacki in Unterägeri entpuppte sich bei der Bauuntersuchung als 500 Jahre altes Blockhaus. Es wurde im Jahr 2009 von der Eigentümerfamilie sorgfältig und vorbildlich umgebaut.
 
- Das Haus Stolzengraben, das wir heute besichtigen können, fand 1996 -nach langjähriger Leidensgeschichte - in Franz Hotz einen neuen Eigentümer, dem es seinen Erhalt und die Restaurierung verdankt. Das Haus weist einen Kernbau auf, der 568 Jahre (!) alt ist.
 
Dank dem Einsatz dieser Eigentümerfamilien sind uns diese einmaligen Bauten erhalten geblieben.
 
Was heute wie selbstverständlich als gebauter historischer Zeitzeuge dasteht, ist in vielen Fällen das Ergebnis grosser Überzeugungsarbeit und grossen Engagements verschiedenster Beteiligter. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie arbeiten mit viel Fachkenntnis und hoher Einsatzbereitschaft (so auch heute Frau Brigitte Moser mit der anschliessenden Führung). Doch das reicht nicht. Es braucht auch das Bekenntnis der Gesellschaft, der Politik sowie der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern, zum gemeinsamen Kulturerbe Sorge tragen zu wollen. Dabei nimmt der Zuger Heimatschutz eine wichtige Rolle ein. Er hat sich immer wieder dafür engagiert, dass der Kanton Zug trotz enorm hoher Planungs- und Bautätigkeit wichtige Elemente seines gebauten Kulturerbes bewahren und qualitativ weiterentwickeln konnte. Schlussendlich ziehen Heimatschutz und Denkmalpflege am gleichen Strick. Namens des Regierungsrates des Kantons Zug danke ich Ihnen und dem scheidenden langjährigen Präsidenten von Herzen. Dem neuen Präsidenten wünsche ich alles Gute, damit er den Verein die nächsten Jahre durch allfällige Stürme gut lenken kann.